Corona und die politische Ökonomie der Reproduktion im Kapitalismus

Die Corona-Pandemie hat vor allem eines deutlich gemacht: Die Gesundheit der Mehrheit steht im Widerspruch zur kapitalistischen Produktion. Wird die Produktion auf ein Mindestmaß heruntergefahren oder die weitere Ausbreitung des Virus riskiert? Wird in den Gesundheitsschutz investiert oder steht die Gewinnmaximierung über allem? In der Veranstaltung soll es um die Hintergründe dieses Widerspruchs gehen. Weshalb wurde Jahrzehnte lang im Gesundheitssktor gekürzt, obwohl Studien belegen, dass dies zu schlechter Versorgung, mehr Stress für die Beschäftigten und damit zu Fehlern in der Patientenversorgung bis hin zum Tod führt? Wie kommt es, dass ausgerechnet die sogenannten systemrelevanten Berufsgruppen oft so wenig verdienen? Und weshalb sind in diesen Branchen überproportional viele Frauen beschäftigt? Wir wollen in der Veranstaltung einen Blick darauf werfen, wie wir uns im Kapitalismus "reporduzieren", sprich, wie wir uns regenerieren, gepflegt werden und versorgen und weshalb dies oft unter solch prekären Bedingungen stattfindet.


150 Jahre § 218: Ein Klassenparagraf und Widerstand

Als vor 150 Jahren das Deutsche Reich gegründet wurde, floss in das neue Strafgesetzbuch die Kriminalisierung des Schwangerschaftsabbruchs mit ein, mit hohen Zuchthaus und Geldstrafen versehen. Der § 218 steht seitdem zwischen den Delikten Mord und Totschlag.
Früh gab es Widerstand gegen § 218, gerade auch, weil er ein Klassenparagraf ist, der die Ärmsten am härtesten trifft. Unter der Parole "Dein Bauch gehört dir!" und "Weg mit § 218" gab es zum Ende der Weimarer Republik eine riesige Kampagne für die Entkriminalisierung. Auch im Gefolge der 1968er-Bewegung.
Der Paragraf wurde abgemildert, aber nie aus dem Strafrecht gestrichen.
Heute gibt es vermehrte Angriffe von rechts auf das Recht auf Selbstbestimmung über den eigenen Körper und das eigene Leben.
Es bleibt die Aufgabe: "Weg mit § 218!"