Plattformen, Onlinearbeit und algorithmisches Management – wohin steuertder Kapitalismus?

Millionen von Arbeiter*innen auf der ganzen Welt loggen sich tagtäglich auf sogenannten Crowdwork-Plattformen ein und erledigen, meist von zuhause aus, eine Vielzahl von Aufträgen. Das können sehr kleinteilige Arbeitspakete für ein paar Cent oder Euro sein oder aber anspruchsvolle mehrtägige Projekte und Wettbewerbe. Die Plattform als Vermittler*in zwischen Auftraggeber*in und Crowd steuert den Arbeitsprozess über ihre digitalen Infrastrukturen. Crowdwork ist somit ein Experimentierfeld für neue Formen der Arbeitsorganisation. Dabei können neue Produktivitätspotentiale durch die räumliche und zeitliche Entgrenzung von Arbeit erschlossen werden. Crowdwork könnte zudem auch Folgen für die traditionellen Belegschaften haben. Denn Unternehmen scheinen derzeit noch auszutesten, welche Teile ihrer Wertschöpfung sie über Plattformen an die soloselbständigen Onlinearbeiter*innen auslagern können, um Kosten zu sparen und die Beschäftigten unter Druck zu setzen. Aus diesem Grund werden die Leitfragen der Veranstaltung lauten: Wie funktioniert Ausbeutung auf einer digitalen Plattform? Inwiefern entsteht eine neue globale Arbeitsteilung? Wie ist Crowdwork im klassischen Arbeitsmarkt zu verorten? Wer ist die Crowd und was sind ihre Motive für diese Art der Arbeit? Ist Crowdwork eine neue Form (digitaler) Heimarbeit? Welche Ansätze der Organisierung gibt es?

mit Christine Gerber (wiss. Mitarbeiterin der Forschungsgruppe Globalisierung, Arbeit und Produktion am Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung) und Mira Wallis (wiss. Mitarbeiterin an der Leuphana Universität Lüneburg)


Debatte zur Theorie der Imperialen Lebensweise

Das Konzept der „imperialen Lebensweise“ besagt, dass „die allermeisten Menschen hierzulande auf Kosten der Natur und der Arbeitskräfte anderer Weltregionen“ leben, wie es Ulrich Brand und Markus Wissen formuliert haben. Beuten also Lohnarbeiter in Deutschland Menschen in anderen Weltregionen aus? Und was würde das für die Perspektiven und Strategien emanzipatorischer Bewegungen hierzulande bedeuten? Oder ist es gar nicht sinnvoll, von einer „imperialen Lebensweise“ auszugehen, die Kapitalisten und Lohnarbeitern hierzulande gemeinsam ist? Wie hängen kapitalistische Ausbeutung und ungleiche Entwicklung, soziale Frage und ökologische Krise zusammen?

mit Dr. Stefanie Hürtgen (Wissenschaftlicher Beirat der Rosa Luxemburg Stiftung, Wirtschaftsgeografie Universität Salzburg)


Selling Sex - Pornografie im Kapitalismus

Durch ​Pornoseiten stellen viele einfach nur fest, was sie interessiert. Dass die Pornoindustrie gezielt Bedürfnisse erst erweckt, glaubt Fabian Thylmann nicht. Im Gegenteil: Die Bedürfnisse seien schon da. Und die Sexbranche liefere nur, was gewünscht sei.” So wird der Gründer des (Porno-)Unternehmens Mindgeek, in der Online-Ausgabe des Sterns im August 2017 zitiert. Der Mythos über die freie Konsument_in ist die älteste Legitimationsstrategie des Kapitals, aber wie funktioniert er und was hat das mit Pornografie zu tun? Wir wollen uns mit Pornografie als Ware in einer arbeitsteiligen Gesellschaft auseinandersetzen. Wie haben sich die Monetarisierungsformen der Pornoindustrie seit den 1970er Jahren verändert und was bedeutet das für Inhalt und Produktionsweisen?

mit Marian Mann (Kulturwissenschaftlerin)


Institutioneller Rassismus und Feindbild Islam - am Beispiel „Clan-Debatte“

Die Debatte um so genannte „Clan-Kriminalität“ ist weit mehr als eine Debatte: Pauschale Verdächtigungen muslimischer, v.a. arabischstämmiger Einwohner*innen als Kriminelle, willkürliche Kontrollen und öffentlichkeitswirksame Razzien insbesondere gegen Gewerbetreibende in Kombination mit einem beträchtlichen Medienrummel. Und obwohl trotz unverhältnismäßiger Polizeipräsenz allenfalls Kleinigkeiten beanstandet werden. Was steckt hinter dem Begriff der „Clans“? Wie können wir uns gegen behördliche Schikane und Racial Profiling zur Wehr setzen? Was steht politisch auf dem Spiel?

mit Mehdi Chahrour (Vors. MAHDI e.V.) und LINKE (n.n.)


Rassismus in Ostdeutschland — damals und heute

Offiziell gab sich die DDR antirassistisch und betonte die internationale Solidarität. In den Medien wurde Solidarität zwischen DDR-Bürgern und Ausländern groß geschrieben. Aber wie war die Situation tatsächlich? Gleiche Rechte und Teilhabe gab es im DDR-Alltag kaum. Die Rechte der in der DDR beschäftigten Vertragsarbeiter*innen waren stark eingeschränkt. Liebesbeziehungen sollten bereits im Ansatz verhindert werden, Schwangerschaften unterbunden und Eheschließungen maximal behindert. Rassistische Übergriffe wurden unter den Teppich gekehrt. Ist die Situation von damals mitverantwortlich für Rassismus, Gewalt und Ablehnung gegen Migrant*innen heute und das starke AfD-Wahlergebnis?

mit Phuong Thuy Nguyen (Tochter vietnamesischer Vertragsarbeiter), Sabine U. (Aufstehen gegen Rassismus Chemnitz)


Großbritannien: Die Linke, Labour und das Brexit-Chaos

mit Charlie Kimber (Socialist Workers Party) und Carol McGuigan (Labour Party)


Massenproteste in Algerien und Marokko: Ist die Arabische Revoution zurück?

mit Hamza Hamouchene (Algeria Solidarity Campaign (ASC); Environmental Justice North Africa (EJNA)); Anne Alexander (Mena Solidarity Network); Mo B. (Aktivist aus Marokko)


Revolution im Sudan: Wie weiter?

Eine beeindruckende Revolution, deren Rückgrat Generalstreiks und Widerstandskommittees in den Nachbarschaften waren, zwang vor etwas über einem Jahr den sudanesischen Diktatoren Omar al-Bashir zum Rücktritt. Die Kräfte der Konterrevolution reagierten prompt und mit Gewalt. Wir wollen gemeinsam diskutieren, wo die sudanesische Revolution heute steht, wie sie weiter vorangetrieben werden kann und welche Rolle die deutsche Linke im Kampf für einen gerechten Sudan einnehmen muss.

mit Ava Matheis (Redaktion marx21), Magdi el-Gizouli (Sudanesischer Blogger auf stillsudan.blogspot.com) und Sara A. (Sudanesische Aktivistin)


Vom Stalinismus bis Rojava - Abdullah Öcalan und die kurdische Befreiung

mit Erkin Erdogan (HDP Berlin) und Frank Renken (LINKE Treptow-Köpenick)


Keine Enteignung ist auch keine Lösung! Oder wie eine kooperative Ökonomie aussehen kann.

“System change, not climate change!” ist die Losung der Klimabewegung, der Ruf zur Enteignung von großen Immobilienkonzernen findet breite Unterstützung und eine internationale Studie findet Anfang 2020 heraus, dass immer mehr Menschen am Kapitalismus zweifeln. Und doch scheint eine nicht-kapitalistische Ökonomie nur schwer vorstellbar. Sabine Nuss wird in ihrem Vortrag das vergiftete Versprechen des Privateigentums bloßstellen und aufzeigen, was das für eine alternative Organisation von Produktion und Konsumtion bedeutet

mit Sabine Nuss (Autorin, Geschäftsführerin Karl Dietz Verlag)