Was ist Identität?

In den vergangenen Jahren dominierte in Debatten der gesellschaftlichen Linken die Gegenüberstellung von »Klassenpolitik« und »Identitätspolitik«. Klassenpolitik ist, wenn man die »soziale Frage« stellt – was DIE LINKE angeblich nicht mehr mache. »Identitätspolitik« ist die Beschäftigung mit Fragen des Geschlechts, des Nationalismus und des Rassismus – was DIE LINKE angeblich zu viel mache. In der Veranstaltung werden wir diskutieren, warum »Klasse« und »Identität« ein falscher Gegensatz ist und sie sich beide Konzepte gegenseitig durchdringen. Wir fragen danach, was Identität eigentlich ist und wieviel Identitäten jede:r von uns in sich trägt. Wir fragen danach, inwiefern Themen der Identität in Klassenauseinandersetzungen verhandelt werden. Und wir fragen danach, wie sich »Klassenidentität« bildet – also die Klasse an sich zur Klasse für sich wird.


»Als ob wir wüssten« - Science Fiction & gesellschaftliche Utopien

Seit jeher bietet das Genre der Science-Fiction einen Ort, um Dinge und Verhältnisse zu denken, die jenseits der Grenzen liegen, die das Leben in der Klassengesellschaft auferlegt. Vor allem im Nachgang der weltweit revolutionären Bewegungen der Jahre 1917 und 1968 entstanden utopische Gesellschaftsvisionen, die humanere mögliche Welten beschrieben, die manchen heute in der »Erzählung« vom Sozialismus fehlen. Aufstand und Entfremdung, Antikapitalismus und postkapitalistische Utopien sind ein fester Bestandteil zeitgenössischer Science-Fiction. Gemeinsam mit dem Kulturwissenschaftler und Fantasy Autor Daniel Illger besprechen wir, was wir aus Science Fiction lernen können und was aktuelle Kino Blockbuster uns über andere Welten erzählen.


»Querdenken«, »Spaziergänger« und AfD: Linke Antworten auf die Corona-Proteste

Seit Beginn der Pandemie gehen bundesweit Esoteriker:innen, Impfgegner:innen, Anthroposoph:innen auf die Straße, um gegen die staatlichen Corona-Maßnahmen zu protestieren. Mit dabei von Anfang an: Holocaust-Leugner:innen, Reichsbürger:innen, Hooligans bis hin zu Nazis von AfD, »III. Weg« und NPD. Die Bewegung radikalisiert sich zunehmend. Gemeinsam wollen wir diskutieren: Wie kommt dieses breite Spektrum von scheinbar »links-alternativ« bis offen faschistisch zusammen? Welche Strategie verfolgt die extreme Rechte, insbesondere die AfD als »parlamentarischer Arm der Corona-Proteste«? Welche Herausforderungen stellen sich für uns als Linke?


»Politischer Islam«: Ein Kampfbegriff?

Unter dem Schlagwort »Politischer Islam« wird verstärkt über den angeblichen Charakter des Islam diskutiert. Längst geht es dabei nicht mehr um die Taliban, Al Kaida oder den IS, sondern um Personen, die mit den Muslimbrüdern oder anderen Strömungen in Zusammenhang gebracht werden. Österreichs Ex-Kanzler Sebastian Kurz von der ÖVP forderte, einen Straftatbestand »politischer Islam« einzuführen, und veranlasste rassistische Großrazzien bei muslimischen Bürgerinnen und Bürgern, die er verdächtigte, einen »politischen Islam« zu propagieren. Doch auch Linke haben sich der Kampagne gegen den Islam und den »Islamismus« angeschlossen, da sie ihn für historisch rückschrittlich oder gar faschistisch halten. Wir wollen in der Veranstaltung Argumente gegen die Verwendung des Kampfbegriffs »Politischer Islam« entwickeln und ein differenziertes Bild von den unterschiedlichen Strömungen und den Widersprüchen im Islam zeichnen – seine Klassenbasis und sein unterschiedliches Wirken in der Geschichte. Dabei gehen wir der Frage nach, wann islamische Bewegungen eine progressive und wann eine reaktionäre Rolle spielen.


Selling Sex - Pornografie im (Plattform-)Kapitalismus

“Durch Pornoseiten stellen viele einfach nur fest, was sie interessiert. Dass die Pornoindustrie gezielt Bedürfnisse erst erweckt, glaubt Fabian Thylmann nicht. Im Gegenteil: Die Bedürfnisse seien schon da. Und die Sexbranche liefere nur, was gewünscht sei.” So schreibt die Online Ausgabe des Sterns im August 2017 und zitiert den Gründer des (Porno-)Unternehmens Mindgeek, was für die 100 größten Pornolabel verantwortlich ist. Der Mythos über die freie Konsument_in ist die älteste Legitimationsstrategie des Kapitals, aber was steckt dahinter und was hat das mit modernen Formen der Plattform-Pornografie zu tun? Wir wollen uns mit dem Warenbegriff in Bezug auf Pornografie in einer arbeitsteiligen Gesellschaft auseinandersetzen. Wie haben sich die Monetarisierungsformen der Pornoindustrie seit den 1970er Jahren verändert und was bedeutet das für Inhalt und Produktionsweisen?


Nazis im Osten - zur Geschichte und Gegenwart

Warum ist die AfD in Ostdeutschland etwa doppelt so stark wie im Westen? Mit dem Ende der DDR 1989/90 entstand sehr rasch eine Neonazibewegung, die sich zunächst in der NPD und der DVU organisiert und später die AfD in den neuen Ländern erobern konnte. Wir gehen davon aus, dass es in West- und Ostdeutschland eine Kontinuität von Nazi-Milieus gab, die in der DDR zwar verboten und offiziell als nichtexistent verleugnet wurden, sich aber schon in den 1980er Jahren in einer rechten und rassistischen Jugendkultur reorganisieren konnten. Wir setzen uns kritisch mit falschen oder einseitigen Erklärungsansätzen auseinander, wie z.b. dem Totalitarismus-Ansatz aus konservativer Richtung oder den ökonomistischen Erklärungsversuchen, die eher von linker Seite vorgebracht werden.


Eine neue Generation antirassistischer Selbstorganisationen auf dem Weg zur sozialistischen Kraft?

In den vergangenen Jahren hat sich eine neue Generation von migrantischen Aktivist:innen auf den Weg gemacht, um die politische Landschaft hierzulande aufzumischen. Dabei tritt migrantische Selbstorganisierung vielfältig auf - Migrantifa, Black Lives Matter, jüdisch-palästinensische Allianzen oder postkoloniale Initiativen im Rahmen der Klimabewegung. Dementsprechend verschieden sind auch ihre Formen antirassistischer Praxis. Das Podium wird sich dem Teil der Bewegungen widmen, die auf einen klassenorientierten Antirassismus orientieren. Wie kann dieser heutzutage aussehen? Welche Rolle spielen dabei migrantische Arbeitskämpfe und wie steht es um die Themen Krieg und Imperialismus? In der Veranstaltung wollen wir diskutieren, inwiefern migrantische Initiativen die deutsche Linke kritisieren, bereichern und damit schlussendlich auch stärken können. Denn eins ist klar: Zur Überwindung des Rassismus und Kapitalismus im 21. Jahrhundert wird nur eine geeinte und antirassistische Arbeiter:innenklasse fähig sein.


Die AfD und der Aufstieg der neuen Faschisten

Nach Lucke, Petry und anderen Wirtschaftsliberalen des national-konservativen Flügels der AfD hat nun auch der langjährige Parteivorsitzende Meuthen seinen Rückzug angetreten. Der offen faschistische „Flügel“ um Höcke & Co. dagegen baut sich als Motor einer neuen rechten Pegida-ähnlichen Straßenbewegung auf und befindet sich parteiintern bundesweit auf dem Vormarsch. Die AfD faschisiert sich weiter. Umso drastischer, dass die parteinahe Desiderius-Erasmus-Stiftung nach dem erneuten Einzug der Partei in den Bundestag bald bis zu 50 Millionen Euro vom Staat bekommen könnte, die dann für den Kaderaufbau von Faschist:innen zur Verfügung stünden. Gemeinsam wollen wir mit euch diskutieren, ob sich die AfD seit ihrer Gründung als Sammlungspartei von National-Konservativen und Neonazis inzwischen zu einer faschistischen Partei entwickelt hat. Was bedeutet das veränderte Kräfteverhältnis für die Ausrichtung der Gesamtpartei? Wie muss sich die Linke dagegen aufstellen?