Was ist Identität?

In den vergangenen Jahren dominierte in Debatten der gesellschaftlichen Linken die Gegenüberstellung von »Klassenpolitik« und »Identitätspolitik«. Klassenpolitik ist, wenn man die »soziale Frage« stellt – was DIE LINKE angeblich nicht mehr mache. »Identitätspolitik« ist die Beschäftigung mit Fragen des Geschlechts, des Nationalismus und des Rassismus – was DIE LINKE angeblich zu viel mache. In der Veranstaltung werden wir diskutieren, warum »Klasse« und »Identität« ein falscher Gegensatz ist und sie sich beide Konzepte gegenseitig durchdringen. Wir fragen danach, was Identität eigentlich ist und wieviel Identitäten jede:r von uns in sich trägt. Wir fragen danach, inwiefern Themen der Identität in Klassenauseinandersetzungen verhandelt werden. Und wir fragen danach, wie sich »Klassenidentität« bildet – also die Klasse an sich zur Klasse für sich wird.


»Als ob wir wüssten« - Science Fiction & gesellschaftliche Utopien

Seit jeher bietet das Genre der Science-Fiction einen Ort, um Dinge und Verhältnisse zu denken, die jenseits der Grenzen liegen, die das Leben in der Klassengesellschaft auferlegt. Vor allem im Nachgang der weltweit revolutionären Bewegungen der Jahre 1917 und 1968 entstanden utopische Gesellschaftsvisionen, die humanere mögliche Welten beschrieben, die manchen heute in der »Erzählung« vom Sozialismus fehlen. Aufstand und Entfremdung, Antikapitalismus und postkapitalistische Utopien sind ein fester Bestandteil zeitgenössischer Science-Fiction. Gemeinsam mit dem Kulturwissenschaftler und Fantasy Autor Daniel Illger besprechen wir, was wir aus Science Fiction lernen können und was aktuelle Kino Blockbuster uns über andere Welten erzählen.


Selling Sex - Pornografie im Kapitalismus.

»›Durch ​Pornoseiten stellen viele einfach nur fest, was sie interessiert.‹ Dass die Pornoindustrie gezielt Bedürfnisse erst erweckt, glaubt Fabian Thylmann nicht. Im Gegenteil: Die Bedürfnisse seien schon da. Und die Sexbranche liefere nur, was gewünscht sei.« So wird der Gründer des (Porno-)Unternehmens Mindgeek, in der Online-Ausgabe des Sterns im August 2017 zitiert. Der Mythos über die freie Konsument:in ist die älteste Legitimationsstrategie des Kapitals. Aber wie funktioniert er und was hat das mit Pornografie zu tun? Wir wollen uns mit Pornografie als Ware in einer arbeitsteiligen Gesellschaft auseinandersetzen. Wie haben sich die Monetarisierungsformen der Pornoindustrie seit den 1970er Jahren verändert und was bedeutet das für Inhalt und Produktionsweisen?


Die Legende vom unpolitischen Fußball

Bier, Bratwurst und einfach mal meine Ruhe... // »Klar gibt es da auch ein paar Nazis in der Kurve, aber sollen wir am Eingang Gesinnungskontrolle machen?« // »Jetzt hört doch mal auf mit eurem Politik-Rotz, das ist immer noch Fußball!« Alles tausendmal gehört und tausendmal für falsch befunden. Aber was hat Fußball nun mit Männlichkeit, Rassismus und Nazis zu tun? Und ist die vollumfängliche Begeisterung für den Fußball angesichts der heutigen Entwicklungen (WM in Katar, Fifa-Korruption und Super League) noch möglich? Die Veranstaltung geht der Frage nach, warum gerade der Fußball es schafft, Millionen von Menschen in seinen Bann zu ziehen. Außerdem soll darüber diskutiert werden, ob und wenn ja, an welchen Stellen der Fußball möglicherweise auch Räume für gesellschaftliche Veränderung eröffnet.


Der Horror des Kapitalismus – eine marxistische Analyse des Horrorfilms

Das Horror Genre spielt seit jeher meisterlich auf der Klaviatur menschlicher Gefühle. Horrorfilme erzeugen starke Gefühle von Angst, Beklemmung und Scham. Doch sie mobilisieren nicht nur Gefühle, sondern vermitteln dabei komplexe Gesellschaftsbilder. Im Angesicht des Grauens zerbrechen bürgerliche Mittelstandsfamilien in Slasher-Filmen. Lebende Untote zertrampeln die Konsumtempel des Kapitalismus. Und allzu häufig spüren wir mit Beklemmung, dass der Horror nicht im Fremden, sondern im bekannten Leben in der »normalen« Welt erscheint. Der Youtuber und Filmkritiker Wolfgang M. Schmitt erklärt in seiner Veranstaltung, wie wir Horrorfilme ideologiekritisch verstehen können und was sie uns über Kapitalismus erzählen.