Keine Enteignung ist auch keine Lösung! Oder wie eine kooperative Ökonomie aussehen kann.

“System change, not climate change!” ist die Losung der Klimabewegung, der Ruf zur Enteignung von großen Immobilienkonzernen findet breite Unterstützung und eine internationale Studie findet Anfang 2020 heraus, dass immer mehr Menschen am Kapitalismus zweifeln. Und doch scheint eine nicht-kapitalistische Ökonomie nur schwer vorstellbar. Sabine Nuss wird in ihrem Vortrag das vergiftete Versprechen des Privateigentums bloßstellen und aufzeigen, was das für eine alternative Organisation von Produktion und Konsumtion bedeutet

mit Sabine Nuss (Autorin, Geschäftsführerin Karl Dietz Verlag)


Debatte zur Theorie der Imperialen Lebensweise

Das Konzept der „imperialen Lebensweise“ besagt, dass „die allermeisten Menschen hierzulande auf Kosten der Natur und der Arbeitskräfte anderer Weltregionen“ leben, wie es Ulrich Brand und Markus Wissen formuliert haben. Beuten also Lohnarbeiter in Deutschland Menschen in anderen Weltregionen aus? Und was würde das für die Perspektiven und Strategien emanzipatorischer Bewegungen hierzulande bedeuten? Oder ist es gar nicht sinnvoll, von einer „imperialen Lebensweise“ auszugehen, die Kapitalisten und Lohnarbeitern hierzulande gemeinsam ist? Wie hängen kapitalistische Ausbeutung und ungleiche Entwicklung, soziale Frage und ökologische Krise zusammen?

mit Dr. Stefanie Hürtgen (Wissenschaftlicher Beirat der Rosa Luxemburg Stiftung, Wirtschaftsgeografie Universität Salzburg)


Plattformen, Onlinearbeit und algorithmisches Management – wohin steuertder Kapitalismus?

Millionen von Arbeiter*innen auf der ganzen Welt loggen sich tagtäglich auf sogenannten Crowdwork-Plattformen ein und erledigen, meist von zuhause aus, eine Vielzahl von Aufträgen. Das können sehr kleinteilige Arbeitspakete für ein paar Cent oder Euro sein oder aber anspruchsvolle mehrtägige Projekte und Wettbewerbe. Die Plattform als Vermittler*in zwischen Auftraggeber*in und Crowd steuert den Arbeitsprozess über ihre digitalen Infrastrukturen. Crowdwork ist somit ein Experimentierfeld für neue Formen der Arbeitsorganisation. Dabei können neue Produktivitätspotentiale durch die räumliche und zeitliche Entgrenzung von Arbeit erschlossen werden. Crowdwork könnte zudem auch Folgen für die traditionellen Belegschaften haben. Denn Unternehmen scheinen derzeit noch auszutesten, welche Teile ihrer Wertschöpfung sie über Plattformen an die soloselbständigen Onlinearbeiter*innen auslagern können, um Kosten zu sparen und die Beschäftigten unter Druck zu setzen. Aus diesem Grund werden die Leitfragen der Veranstaltung lauten: Wie funktioniert Ausbeutung auf einer digitalen Plattform? Inwiefern entsteht eine neue globale Arbeitsteilung? Wie ist Crowdwork im klassischen Arbeitsmarkt zu verorten? Wer ist die Crowd und was sind ihre Motive für diese Art der Arbeit? Ist Crowdwork eine neue Form (digitaler) Heimarbeit? Welche Ansätze der Organisierung gibt es?

mit Christine Gerber (wiss. Mitarbeiterin der Forschungsgruppe Globalisierung, Arbeit und Produktion am Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung) und Mira Wallis (wiss. Mitarbeiterin an der Leuphana Universität Lüneburg)


Küche, Kita, Krankenhaus: Die politische Ökonomie der Reproduktion im Kapitalismus

Ob in Küche, Kita oder Krankenhaus: Oft sind es Frauen, die mehrheitlich die Hauptlast der unbezahlten Hausarbeit oder auch den Großteil der Sozialen Arbeit verrichten. Doch warum ist das so? Und warum werden all diese Pflege-, Erziehungs- und Sorgearbeiten schlecht bis gar nicht bezahlt? Wir wollen uns einer materialistischen Analyse des Reproduktionssektors widmen und schauen, wie sich der Kapitalismus und im konkreten der Staat Familienstrukturen und geschlechtliche Rollenbilder zu Nutzen machen.

mit Ronda Kipka (Hrsg. von „Kapital gegen Leben - Beiträge zur Theorie der Sozialen Reproduktion im Kapitalismus“)