Alles öko, alles gut? In den westlichen Industrieländern, besonders in Deutschland, wird von der Industrie, aber auch von vielen Politikerinnen und Politikern oder manchen NGO‘s, das »persönliche Engagement für Klimaschutz« ins Zentrum gestellt und damit an eine Änderung des individuellen Verhaltens appelliert. »Klimaschutz kann jeder und jede«, »Tipps für den Alltag«,»Klimaschutz fängt bei dir selbst an« und so weiter. In der Veranstaltung wollen wir der Frage nachgehen, warum Konsumkritik am falschen Hebel ansetzt und die Rede von der »Macht der Verbraucher« ein Märchen ist. Es wird jedoch auch darum gehen, wie das weit verbreitete und legitime Unbehagen an der Nicht-Nachhaltigkeit des eigenen Lebensstil als Klassenfrage und damit als kollektive Konsumkritik politisiert werden kann. Dabei wird dargelegt, inwieweit die ökologische Frage auf den Ebenen der politischen Ökonomie (und somit der systemischen Ursachen von Umweltzerstörung im Kapitalismus), der Verteilung von Lebens- und Konsumchancen sowie in Bezug auf sozial-ökologische Konfliktdynamiken einen Klassencharakter hat. Ziel dieser Analysen ist die Entwicklung einer ökosozialistische Klassenpolitik, die sowohl an den bestehenden Problemen und Konflikten ansetzt und doch über den Kapitalismus hinaus weisen kann. Hans Rackwitz ist ökosozialistischer Klimaaktivist, Soziologie und promoviert am Arbeitsbereich Arbeits-, Industrie- und Wirtschaftssoziologie an der Friedrich-Schiller-Universität Jena zu einer Soziologie der Klassen- und Naturverhältnisse.