Der Staat ist für Marxisten kein neutrales Werkzeug, sondern dient der herrschenden Klasse. Gleichzeitig eröffnet er durch Parlamente scheinbar demokratische Mitwirkungsmöglichkeiten, in die viele Menschen Illusionen haben. In der Geschichte sind Revolutionäre daher immer wieder vor die Frage gestellt worden, ob und wie sie in den Institutionen eines Systems mitarbeiten, das sie eigentlich überwinden wollen. 1912 stellte sich im zaristischen Russland diese Frage für die Bolschewiki, die es trotz Repression und unter schwierigen Bedingungen geschafft hatten, eine Gruppe von Abgeordneten in das Scheinparlament Duma zu entsenden. Wie gingen die Bolschewiki mit diesem Widerspruch um und wie nutzten sie ihre Möglichkeiten, um eine schlagkräftige revolutionäre Partei aufzubauen?

Christine Buchholz (MdB DIE LINKE, Marx21)