Die Arbeiterklasse heute: noch eine revolutionäre Kraft?

Die Arbeiterklasse, das ist kein Überbleibsel des letzten Jahrhunderts. Noch nie waren so viele Menschen lohnabhängig beschäftigt wie heute. Wie hat sich die Arbeiterklasse verändert und kann sie die gestaltende gesellschaftliche Rolle spielen, die Marx ihr als revolutionäres Subjekt zugeschrieben hat? In der Veranstaltung wird eine Analyse der modernen Arbeiterklasse vorgenommen. Zudem gehen wir der Frage nach, wie es zu einem Prozess der Bewusstseinswerdung als Klasse und ihrer Selbstemanzipation kommen kann - der Unterschied von der „Klasse an sich“ zur handelnden Klasse „für sich“. Wo können wir in den heutigen Alltagserfahrungen Ansätze dafür sehen?

Mit Jan-Noah Friedrichs (Gewerkschaftskoordination marx21) und Nora Schmid (DIE LINKE.Kassel)


Einführung in die marxistische Imperialismustheorie

„Der Kapitalismus trägt den Krieg in sich wie die Wolke den Regen“, so brachte es der französische Sozialist Jean Jaurès vor über 100 Jahren auf den Punkt. Der Ukraine-Konflikt oder der Rückzug aus Afghanistan zeigen, dass Krieg kein Ausnahmezustand im Kapitalismus ist, sondern blutige Zuspitzung der Konkurrenz um Ressourcen und Absatzmärkte. Aber wie hängen wirtschaftliche Interessen und staatliches Handeln konkret zusammen? Wie können die Globalisierung der Wirtschaft einhergehen mit der Zunahme von Nationalismus und Staatenkonkurrenz? Bei dieser Einführungsveranstaltung werfen wir einen Blick auf die klassischen marxistischen Imperialismustheorien von Lenin und Bucharin und wollen im Abgleich mit neueren Beiträgen diskutieren, was die aktuelle Welt(un)ordnung am besten trifft.

Mit Karim Khoury (Redaktion marx21)


Mali: Was macht die Bundeswehr eigentlich in in der Sahelzone?

Wenn von Mali die Rede ist, ist von Terror, Armut und Korruption die Rede. Aber Mali hat eine lange Geschichte und eine Tradition des Widerstands. Welche Rolle spielen der Kolonialismus, neoliberale Strukturanpassungsprogramme und der so genannte Krieg gegen den Terror für die heutige Situation? Was macht eigentlich die Bundeswehr in Mali, was bedeutet der Abzug der französischen Armee, welche Rolle spielen internationale Militärs und russische Söldner? Und wie lassen sich die Probleme in Mali lösen?


Imperialismus heute

Der Krieg um die Ukraine zeigt mit aller Brutalität, dass der Imperialismus in eine neue Phase geht. Die geopolitischen Konfliktlinien haben sich in den letzten Jahren verschoben. Die ökonomische Konkurrenz zwischen den USA und China bekommt zunehmend einen militärischen Ausdruck. Welche Veränderungen passieren gerade im internationalen Staatensystem? Wie können wir die Konkurrenz zwischen China und USA verstehen? Welche Rolle spielt die Niederlage des Westens in Afghanistan? Wie positionieren wir uns als Antiimperialist*innen in der Tradition des Internationalismus von Unten?


20 Jahre NATO-Krieg in Afghanistan. Eine Bilanz

Mit der Rückkehr der Taliban an die Macht und dem Abzug der NATO-Truppen endete die 20-jährige Besatzung Afghanistans. Die Lage in Afghanistan ist katastrophal: Millionen Menschen leiden Hunger, die Taliban sind gestärkt zurück. Was ist die Bilanz von 20 Jahren Besatzung und Krieg? Wie kam es zu Krieg und Besatzung? Warum sind die Taliban heute wieder an der Macht? Welche Lehren muss die LINKE für heutige Auslandseinsätze ziehen?


Frantz Fanon: Radikaler Antikolonialismus

Frantz Fanon gilt als eine der radikalsten Stimmen des Antikolonialismus. Sein Einfluss reicht von Unabhängigkeitskämpfen in Afrika über die Black-Power-Bewegung der USA bis in heutige antikoloniale sowie antirassistische Kämpfe hinein. Prägend für seine politischen Schriften war die Auseinandersetzung mit dem (Kolonial-)Rassismus in Martinique, Frankreich und Algerien, aber auch darüber hinaus, was sich in seinen bahnbrechenden Werken wie „Schwarze Haut, weiße Masken” und „A Dying Colonialism” manifestiert. Fanons Hauptwerk „Die Verdammten dieser Erde“ wurde zur Leitschrift antikolonialer Bewegungen und beruht auf seinen Erfahrungen während des algerischen Unabhängigkeitskriegs. Hier legt er sozialpsychologische Analysen des Kolonialismus als auch Herausforderungen des revolutionären Unabhängigkeitskampfs dar - mit einem Manifest zur politischen Selbstverteidigung, was Gewalt nicht ausschließt. Die Politikwissenschaftlerin Helena Zohdi wird auf die Bedeutung und Relevanz Fanons Schriften 61 Jahren nach dessen Tod eingehen.


Zeitalter der Pandemien: Die Plagen des Kapitalismus

Seitdem Menschen sesshafte Landwirtschaft betreiben, kommt es immer wieder zu tödlichen Epidemien. Aber warum nehmen diese Infektionen heute die Form weltweiter Pandemien an, so wie es bei COVID-19, SARS, MERS oder der Vogelgrippe der Fall war? Warum häufen sie sich - und was lässt sich dagegen unternehmen? Wie Pandemien entstehen und warum breiten sie sich global aus? Welche Rolle spielt die evolutionäre Dynamik der Krankheitserreger und welche die gegenwärtigen ökologischen und ökonomischen Strukturen. Die Ursache von COVID-19 läge in weltweit schwindender Biodiversität, Landübernutzung und Massentierhaltung, kurz: im herrschenden kapitalistischen Nahrungsregime, so Rob Wallace. Solange der ökologische Raubbau anhält, werden Epidemien außer Kontrolle geraten.


Überwachungskapitalismus - der produzierende User

Überwachungskapitalismus ist eine neue Marktform, die einerseits der Logik der klassischen Kapitalakkumulation folgt, aber darüber hinaus auf der Monetarisierung von Nutzer:innen-Verhalten basiert. Die Möglichkeit der gezielten Beeinflussung von Verhalten schließt nicht allein das Befriedigen, sondern auch das Schaffen von Bedürfnissen und deren Steuerung ein. Eine Einführungsveranstaltung in das Thema und worüber wir als Sozialist:innen des 21. Jahrhunderts reden müssen.

Lars Bretthauer (Politikwissenschaftler)


Kann es unter Rot-Rot-Grün in Berlin eine Enteignung der Immobilienkonzerne geben?

Parallel zur Abgeordnetenhauswahl haben im September 2021 fast 60% der Berliner*innen für die Enteignung der großen Immobilienkonzerne gestimmt. Als einzige Partei hat DIE LINKE, im Gegensatz zu Grünen und SPD, die Enteignungskampagne vor der Wahl unterstützt. Der Volksentscheid hat mehr Stimmen bekommen als SPD, Grüne und LINKE zusammen und DIE LINKE ist nun in der Koalition mit der Frage konfrontiert, ob sie den Volksentscheid gegen den Willen der SPD umsetzen kann. Wir wollen gemeinsam mit Vertreter*innen der Kampagne und der LINKEN diskutieren, wie die Erfolgsaussichten dafür stehen und wie der Druck erhöht werden kann.


Unterschätzt und verdrängt: Zur kolossalen Bedeutung der Haitianischen Revolution

Obwohl Haiti die erste befreite schwarze Republik fernab des afrikanischen Kontinentes war, wird die haitianische Revolution von der bürgerlichen Geschichtsschreibung zur Randnotiz erklärt. Der afrokaribische Marxist CLR James legte bereits 1938 das weltpolitische Potenzial dieses Ereignisses für den antikolonialen Freiheitskampf offen: Die haitianische Revolution war nicht weniger als ein herber Schlag gegen das französische und in der Karibik ansässige ausländische Kapital, es war ein Beispiel für Schwarze Selbstemanzipation, dafür, dass die Dritte Welt immer schon aufbegehrte und weiter aufbegehren würde. Entgegen dem bourgeoisen Eurozentrismus erfahren wir von James, wie sich die versklavte Schwarze Bevölkerung Haitis durch ihr Organisationsvermögen, ihre strategische Intelligenz und ihren unbedingten Freiheitsdrang gegen eine der größten Kolonialmächte behauptete – eine agrarproletarische Revolution inmitten der Dritten Welt. Der Vortrag basiert insbesondere auf James‘ historisch-materialistischen Analyse „The Black Jacobins“ und bietet Einblicke in die Voraussetzungen, den Verlauf, die Strahlkraft und systematische Verdrängung bzw. Relativierung der Revolution in der bürgerlichen Geschichtsschreibung.