Ist Marxismus eurozentristisch?

Seit den 1970er Jahren heißt es immer wieder, marxistische Theorie würde Menschen im Globalen Süden geringschätzen. Es fallen Argumente wie: »Marx hat die britische Kolonialherrschaft in Indien verteidigt« oder »Marxist:innen sind der Meinung, afrikanische Länder müssten sich erstmal wie der Westen entwickeln«. Marcello Musto zeigt in seinem Vortrag, dass sich Marx gegen Ende seines Lebens mit nicht-westeuropäischen Gesellschaften beschäftigt hat. Er erklärt, warum die Vorwürfe falsch sind - und warum gerade der Marxismus eine Lösung für eurozentristische Annahmen bietet.

Marcello lehrt an der York University (Kanada) und ist Autor von »Der späte Marx: Eine intellektuelle Biografie der Jahre 1881 bis 1883« (VSA).


Theoriearbeit in revolutionären Zeiten: Perspektiven aus Sudan

Unser Ausgangspunkt ist die berüchtigte Frage nach dem Zusammenhang von Theorie und Praxis. Wir wollen's konkret machen. Wie hilft Theorie dabei, im Arabischen Frühling zu agieren? Wie eignen sich Revolutionär:innen Theorie an, wenn keine Zeit für monatliche Lesekreise ist? Welchen Beitrag leisten die »Klassiker«, ob Marx oder Lenin - wo und warum braucht es Ergänzungen? Und wer hilft dann aus?

Die Fragen diskutieren Muzan Alneel und TBA. Muzan ist Aktivistin in Khartoum (Sudan) und Mitgründerin des Think Tank for People-Centered Development.


Die Arbeiterklasse heute: noch eine revolutionäre Kraft?

Die Arbeiterklasse, das ist kein Überbleibsel des letzten Jahrhunderts. Noch nie waren so viele Menschen lohnabhängig beschäftigt wie heute. Wie hat sich die Arbeiterklasse verändert und kann sie die gestaltende gesellschaftliche Rolle spielen, die Marx ihr als revolutionäres Subjekt zugeschrieben hat? In der Veranstaltung wird eine Analyse der modernen Arbeiterklasse vorgenommen. Zudem gehen wir der Frage nach, wie es zu einem Prozess der Bewusstseinswerdung als Klasse und ihrer Selbstemanzipation kommen kann - der Unterschied von der „Klasse an sich“ zur handelnden Klasse „für sich“. Wo können wir in den heutigen Alltagserfahrungen Ansätze dafür sehen?

Mit Jan-Noah Friedrichs (Gewerkschaftskoordination marx21) und Nora Schmid (DIE LINKE.Kassel)


Einführung in die marxistische Imperialismustheorie

„Der Kapitalismus trägt den Krieg in sich wie die Wolke den Regen“, so brachte es der französische Sozialist Jean Jaurès vor über 100 Jahren auf den Punkt. Der Ukraine-Konflikt oder der Rückzug aus Afghanistan zeigen, dass Krieg kein Ausnahmezustand im Kapitalismus ist, sondern blutige Zuspitzung der Konkurrenz um Ressourcen und Absatzmärkte. Aber wie hängen wirtschaftliche Interessen und staatliches Handeln konkret zusammen? Wie können die Globalisierung der Wirtschaft einhergehen mit der Zunahme von Nationalismus und Staatenkonkurrenz? Bei dieser Einführungsveranstaltung werfen wir einen Blick auf die klassischen marxistischen Imperialismustheorien von Lenin und Bucharin und wollen im Abgleich mit neueren Beiträgen diskutieren, was die aktuelle Welt(un)ordnung am besten trifft.

Mit Karim Khoury (Redaktion marx21)