Unterschätzt und verdrängt: Zur kolossalen Bedeutung der Haitianischen Revolution

Obwohl Haiti die erste befreite schwarze Republik fernab des afrikanischen Kontinentes war, wird die haitianische Revolution von der bürgerlichen Geschichtsschreibung zur Randnotiz erklärt. Der afrokaribische Marxist CLR James legte bereits 1938 das weltpolitische Potenzial dieses Ereignisses für den antikolonialen Freiheitskampf offen: Die haitianische Revolution war nicht weniger als ein herber Schlag gegen das französische und in der Karibik ansässige ausländische Kapital, es war ein Beispiel für Schwarze Selbstemanzipation, dafür, dass die Dritte Welt immer schon aufbegehrte und weiter aufbegehren würde. Entgegen dem bourgeoisen Eurozentrismus erfahren wir von James, wie sich die versklavte Schwarze Bevölkerung Haitis durch ihr Organisationsvermögen, ihre strategische Intelligenz und ihren unbedingten Freiheitsdrang gegen eine der größten Kolonialmächte behauptete – eine agrarproletarische Revolution inmitten der Dritten Welt. Der Vortrag basiert insbesondere auf James‘ historisch-materialistischen Analyse „The Black Jacobins“ und bietet Einblicke in die Voraussetzungen, den Verlauf, die Strahlkraft und systematische Verdrängung bzw. Relativierung der Revolution in der bürgerlichen Geschichtsschreibung.


Russische Revolution: Wie die Bolschewiki eine Pandemie bekämpften und was wir daraus lernen können

Wie würde eine Gesellschaft, die eine Revolution vollbracht hat, eine Pandemie bekämpfen? Einen Eindruck davon bietet uns der Blick in die Geschichte der russischen Revolution von 1917. Unter den widrigen Bedingungen des Weltkrieges und dann des Bürgerkrieges breiteten sich Krankheiten wie die spanische Grippe und das Fleckenfieber schnell aus und die Revolution musste nicht nur einen ungleichen Krieg gegen ihre übermächtigen Feinde, sondern auch gegen die Seuchen führen. Das Gesundheitssystem unter der Kontrolle der Arbeiter*innen konnte dabei große Erfolge erziehen und es wurde unterstützt von den Massen einfacher Leute, die Komitees gründeten um Aufklärungsarbeit und Seuchenbekämpfung von unten zu organisierten. Aus dieser vergessenen Geschichte können wir viel für unsere jetzige Situation lernen.


1945 Befreiung von unten? Die Bewegung der antifaschistischen Aktionsräte in Deutschland

In den letzten Tagen des zweiten Weltkrieges, als das Ende des Faschismus nah war, regten sich die übriggebliebenen Kräfte der alten sozialistischen Bewegung wieder, die unter der brutalen Terrorherrschaft der Nazis in den Untergrund oder in die innere Emigration getrieben worden waren. In Betrieben, KZs und Wohnvierteln gründeten sich in Windeseile antifaschistischen Aktionsräte und Komitees, die sich zum Ziel setzten „Den Nazismus mit all seinen Wurzeln zu vernichten“. Sie begannen mit einer konsequenten Entnazifizierung von unten und übernahmen an einigen Orten sogar die die Macht – sehr zum Missfallen der Besatzungsmächte und des Bürgertums, welche diese Ansätze abwürgten. Diese in den Geschichtsbüchern ignorierte kurze Periode der Selbstorganisation von unten muss jede Marxist*in kennen.


100 Jahre Sowjetunion: realer Sozialismus oder Staatskapitalismus?

1922 schlossen sich die aus der Oktoberrevolution hervorgegangenen Sowjetrepubliken zur Sowjetunion zusammen. Dieser Staat bestand bis 1991 und nahm für sich in Anspruch, der real verwirklichte Sozialismus zu sein. Doch was als Rätebewegung gegen Krieg, Hunger und Autokratie begonnen hatte, war gerade mal ein Jahrzehnt später kaum wiederzuerkennen. Die Bolschewiki, die 1917 noch die Demokratie erkämpft hatten, begannen nun das Land diktatorisch zu regieren. Statt die Revolution in andere Länder zu tragen, setzten sie auf einen halsbrecherischen inneren Aufbau, der schwere Hungersnöte auslöste. Verschwunden waren die basisdemokratischen Räte, die freien Gewerkschaften und die großen sozialen Errungenschaften der Revolution. Wie kam es zu dieser Verwandlung?


Kann der Marxismus den Holocaust erklären?

Anfang 1942 trafen fünfzehn hochrangige Vertreter der SS und der zivilen Reichsregierung unter der Leitung von Reinhard Heydrich in einer Villa am Berliner Wannsee zusammen. Sie planten dort den Völkermord an den europäischen Jüd*innen, der im Osten Europas bereits im vollen Gange war. In akribischem Detail planten sie alles, von der Enteignung und Deportation über die Ghettoisierung und Zwangsarbeit bis zur industriellen Massenermordung. Wie konnte es zu dieser entfesselten, kalten und bürokratisch geplanten Barbarei kommen? Versagen die Methoden des Marxismus, wie es oft vorgeworfen wird, bei dem Versuch, den Holocaust zu erklären? Horst Haenisch hat versucht, den Antworten auf diese wichtigen Fragen in seinem Buch nahezukommen und wird seine Ergebnisse mit uns diskutieren.


100 Jahre Faschismus - Mussolinis Griff zur Macht

Im September 1920 besetzten 500.000 Metallarbeiter*innen in den Industriezentren Norditaliens ihre Fabriken. Einen ganzen Monat lang trotzten sie der Regierung, der Polizei und den Arbeitgebern. Sie erstritten sich Lohnerhöhungen und das Versprechen der Arbeiterkontrolle. Zwei Jahre später übergab der italienische König Mussolini die Macht. Es folgten 22 Jahre brutaler faschistischer Diktatur. Mit welchen Methoden Mussolini und seine erst 1919 gegründete kleine faschistische Partei eine so lebendige Arbeiterbewegung in so kurzer Zeit zerschlagen konnten, darüber referiert David Paenson, Aktivist bei "Aufstehen gegen Rassismus" in Frankfurt.