Gewerkschaftliche Erneuerung in den USA der 1930er Jahre: Wie die Linke aus der Krise in die Offensive kam

Organizing-Methoden wurden nicht in Seminaren erfunden. Sie sind das Destillat von vergangenen Kämpfen. Eine wichtige Referenz stellen die 30er Jahre in den USA dar. In der Veranstaltung wird weniger versucht zu ergründen, welches Werkzeug und welche Methode dabei exakt entwickelt wurden, sondern vielmehr auf den historischen Kontext geblickt. Denn das Jahrzehnt bietet große Veränderungen in der US-Gesellschaft aber auch viel Dynamik und Umgruppierungsprozesse innerhalb der Gewerkschaftsbewegung. In diesen Jahren entstanden sehr lehrreiche Räume einer Bewegung von unten.


Aus Erfolgen lernen: Krankenhausbewegung Berlin, NRW, ...

Mitten im Corona-Jahr 2021 ist mit der Krankenhausbewegung in Berlin einer der größten Leuchttürme gewerkschaftlicher Erneuerung von unten entstanden. Im Rahmen eines der längsten und erfolgreichsten Krankenhausstreiks der Geschichte haben die Beschäftigten von Charité, Vivantes und den Vivantes Töchtern herausragende Abschlüsse erkämpft. In diesem Jahr geht die Krankenhausbewegung um Tarifverträge Entlastung in die nächste Runde; in Nordrhein-Westfalen startet das wohl größte Organizing-Projekt, das es in Deutschland jemals gab. Gemeinsam mit Organizer:innen und aktiven Kolleg:innen wollen wir hinter die Kulissen schauen und über das »Erfolgsrezept« der Kampagne sprechen: Was waren die Schlüsselelemente und Methoden, die die Beschäftigten in Berlin zum Erfolg geführt haben? Welche Bedeutung hat dieser Erfolg für die Auseinandersetzungen in NRW und was können wir für zukünftige Kämpfe lernen?


Jobs oder Klima: müssen wir uns wirklich entscheiden? Transformationskonflikte in Betrieb und Gewerkschaft

Durch die Proteste von Fridays for Future ist die Klimakrise nun endlich auch in der deutschen Wirtschaftspolitik angekommen. Gerade die Bereiche Kohlekraft und Mobilität stehen vor riesigen Umbrüchen. Die Transformation läuft an, das Konzernmanagement der großen Automobilindustrie plant bereits den Umstieg auf E-Mobilität und viele Beschäftigte sehen ihre Arbeitsplätze in Gefahr. Aber: müssen wir uns wirklich zwischen Jobs und Klima entscheiden? Wie wird in den Betrieben über das Thema Transformation diskutiert, wie lauten die Antworten der IG Metall und wie positioniert sich die Partei DIE LINKE? Gemeinsam mit Ferhat Kirmizi (stellvertretender Betriebsratsvorsitzender Bosch München-Berg am Laim) und Ulrike Eifler (Sprecherin BAG Betrieb und Gewerkschaft, DIE LINKE.) wollen wir Antworten auf diese Fragen finden und über Ansätze einer sozial-ökologischen Transformation diskutieren.


Gewerkschaften & Klasse – eine Einführung am Beispiel der Berliner Krankenhausbewegung

Gewerkschaften erscheinen heute oft als sozialpartnerschaftliche Bürokratieapparate und weniger als Organisierungsort der Arbeiter:innenklasse. Mit der Berliner Krankenhausbewegung gab es im letzten Jahr ein erfolgreiches Beispiel für einen Machtaufbau von unten. Wie wir als Marxist:innen zum Thema »Gewerkschaft« stehen und wen wir als kämpfende »Klasse« begreifen wollen wir exemplarisch an den Auseinandersetzungen in den Krankenhäusern darlegen. Was können wir aus der Geschichte der Arbeiter:innenbewegung lernen, wie beziehen sich aktuelle gewerkschaftliche Kämpfe aufeinander und wie sieht gewerkschaftliche Erneuerung konkret aus? Darüber wollen wir mit David Wetzel (Pflegefachkraft) und Luigi Wolf (Organizer) sprechen. Beide waren 2021 an der Berliner Krankenhausbewegung beteiligt und durften dort ein Stück Gewerkschaftsgeschichte mitschreiben.


Gorillas & Co.: Selbstorganisierung in der Lieferdienstbranche

Mit ihren wilden Streiks und Betriebsblockaden haben die Beschäftigten des Berliner Lieferdienstes Gorillas für Aufsehen in der sonst wenig kämpferischen Gewerkschaftsbewegung gesorgt – und die Debatte ums Streikrecht neu entfacht. Jenseits von Gewerkschaftsbürokratie und trotz befristeter Anstellung haben sich die überwiegend jungen und migrantischen »Rider« im letzten Jahr selbst organisiert und für bessere Löhne und Arbeitsbedingungen gekämpft. Zuletzt konnten sie gegen Schikane und juristische Angriffe des Arbeitgebers die Wahl eines Betriebsrats durchsetzen. Gemeinsam mit Gabriella Rodriguez Leyton (Betriebsrat bei Gorillas) und Daniel Weidmann (Fachanwalt für Arbeitsrecht) wollen wir über die wilden Streiks und Selbstorganisierung in der »gig-economy« sprechen. Gab es eine gewerkschaftliche Anbindung? Wo stehen Kollektiv und Betriebsrat jetzt? Und was können wir im Jahr 2022 aus den Kämpfen der Kuriere lernen?


Rekordinflation & Strukturwandel – was jetzt auf die Gewerkschaften zukommt

Die Krise der Gewerkschafts- und Arbeiter:innenbewegung besteht fort. Klimakrise, daraus hervorgehende Transformationskonflikte, die Corona-Pandemie und ihre Folgen, Krieg und Militarisierung - die deutschen Gewerkschaften stehen heute und in den kommenden Jahren vor großen Herausforderungen. Als Folge der wirtschaftlichen Entwicklungen sehen wir uns zusätzlich mit einer Rekordinflation und Reallohnverlusten konfrontiert, wie es sie seit langem nicht mehr gegeben hat. Gemeinsam mit Stefan Bornost (Sprecher LAG B&G Brandenburg, DIE LINKE) wollen wir darüber diskutieren, wie es um die Gewerkschaften derzeit bestellt ist und ein Gesamtbild der aktuellen Lage zeichnen. Dabei werfen wir auch einen Blick auf die 70er Jahre und stellen den gewerkschaftlichen Status Quo auf den Prüfstand. Was bedeuten die aktuellen Entwicklungen für bisherige gewerkschaftliche Praxis? Steht uns ein Aufschwung gewerkschaftlicher Kämpfe bevor? Wie kann eine Neuausrichtung der Gewerkschaften aussehen und welche Chancen können sich daraus ergeben? Diese und weitere Fragen wollen wir gemeinsam diskutieren.


Welches Organizing brauchen wir? Über Widersprüche und Möglichkeiten in gewerkschaftlichem Haupt- und Ehrenamt

»Organizing« ist in linken Kreisen mittlerweile »en vogue« geworden. Im deutschen Gewerkschaftsdiskurs kursieren unter dem Begriff eine Vielzahl an unterschiedlichen Definitionen und Praktiken. Gemeinsam und in Anlehnung an Jane McAlevey wollen wir uns der Frage widmen, was eigentlich hinter dem Sammelbegriff »Organizing« steckt und was er für uns bedeutet. Dabei wollen wir ein wenig tiefer gehen und den Blick auf die beteiligten Akteur:innen richten: Wo liegen Grenzen und Möglichkeiten des Machtaufbaus durch Organizing für gewerkschaftlich Hauptamtliche, betriebliches Ehrenamt und professionelle Organizer:innen? Wie können Synergien aussehen und was bedeutet das für unsere politische Praxis?

Darüber sprechen wir mit Stefan Bornost (Sprecher LAG Betrieb und Gewerkschaft Brandenburg) und einer Organizer:in aus der Tarifrunde Entlastung in Berlin.


Wie Klima- und Gewerkschaftsbewegung gemeinsam Macht aufbauen können

Die Klimabewegung hat die drohende Klimakatastrophe in unser aller Bewusstsein gerufen. Eine Kehrtwende der Klimapolitik ist jedoch nicht in Sicht. Umso dringlicher wird die Frage, wie es uns gelingt, gesellschaftliche Macht und Druck aufzubauen, die es für eine grundlegende sozial-ökologische Transformation dringend braucht. Julia Kaiser hat im letzten Jahr in der gemeinsam von ver.di und Fridays For Future getragenen Kampagne zur Begleitung der Tarifauseinandersetzungen im Nahverkehr mitgearbeitet und damit eine Blaupause dafür geschaffen, wie Gewerkschaftsbewegung und Klimabewegung zusammen an einem Strang ziehen können. Oliver Pye arbeitet gemeinsam mit Arbeiter*innen der Palm-Öl Industrie an einer Strategie, die die Zusammenführung der Kämpfe um Landrechte, Arbeitsbedingungen und Umweltgerechtigkeit in den Fokus rückt. Gemeinsam wollen wir diskutieren, warum wir diese Bündnisse brauchen, wo ihre Herausforderungen liegen und vor allem, wie wir sie in der kommenden Zeit stärken und aufbauen können.