English: Sex, Power, Oppression, Exploitation: A short history of sexuality under capitalism

Der Marxismus kann einen großen Beitrag zum Verständnis von Sexualität und Sexualpolitik leisten. So liefert eine Analyse kapitalistischer Produktionsverhältnisse einen tiefen Einblick in das Aufkommen und Verstetigen gewisser Sexualitäten und Lebensformen. Und marxistische Kritiken von z.B. Kommerzialisierung und Verdinglichung ermöglichen wiederum eine kritische Auseinandersetzung mit zeitgenössischen Sexualpolitiken. Wie genau Sexualität im Kapitalismus aus einer marxistischen Perspektive zu verstehen ist, darum wird es in einer Diskussion mit Paul Reynolds, Soziologe & Editor von Historical Materialism: Research in Critical Marxist Theory gehen.


Paragraph 218 als Klassenparagraph

Als erstes Land der Welt nimmt Frankreich das Recht auf Abtreibung in der Verfassung auf’, so titelten die Schlagzeilen, nachdem die in Versailles versammelten Abgeordneten Anfang März diesen Jahres mit einer überwältigenden Mehrheit mit ‘Ja’ für den Gesetzesentwurf stimmten. Aber handelt es sich dabei tatsächlich um die Weltpremiere, die die meisten Beiträge zu dem Thema verlauten ließen?
Tatsächlich waren Schwangerschaftsabbrüche im sozialistischen Jugoslawien unter gewissen Bedingungen bereits ab 1952 erlaubt. Mehr noch: Im Jahre 1974 wurde die freie Entscheidung über die Geburt von Kindern erstmals als Menschenrecht in der Verfassung verankert.

Auch hierzulande sind Sätze wie “My body, my choice” aus feministischen Bewegungen nicht mehr wegzudenken. Forderungen nach einer Abschaffung des Paragraphen 218 werden lauter.
Vor über 150 Jahren wurde der Paragraph im Rahmen der Gründung des Deutschen Reichs eingeführt. Seitdem steht er so im Strafgesetzbuch im Bereich Mord- und Totschlag. Strafen gingen damals von Gefängnisstrafen bis 10 Jahren Zuchthaus, je nachdem, ob es vorsätzlich war, ob man Helfer:in und Mitwisser:in war und ob die Frau bei dem Eingriff starb.
Dass dieses Gesetz deutlich härtere Auswirkungen auf Schwangere in der Arbeiter:innenklasse hatte, wird schnell deutlich, wenn man auf die Konsequenzen blickt: Wer am Existenzminimum leben muss und sich kein Kind leisten konnte, musste abwägen: teure Verhütungsmittel oder riskante Abtreibungsmittel auf dem Schwarzmarkt? Sozialist*innen kämpften daher seit Beginn an nicht bloß für eine Liberalisierung, sondern für die Abschaffung des Paragraphen 218. Wir wollen in der Veranstaltung nicht nur historisch sondern auch aktuell auf den Paragrafen 218 schauen, auf Proteste und Widerstand dagegen und wie wir uns sexuelle Selbstbestimmung vorstellen!


Wagenknecht - Analyse und Potential einer neuen Partei

An Sarah Wagensknecht neuer Partei scheiden sich die Geister. Die einen hoffen auf ein krachendes Scheitern des Bündnis Sarah Wagenknechts (BSW). Andere halten es für möglich, dass der Linkskonservatismus zumindest die AfD schwächt. Dahinter liegt die Frage, wie die lange angekündigte und sich num im ersten Wahlkampf befindende Abspaltung von der LINKEN zu charakterisieren ist und inwiefern das Projekt eine gesellschaftliche Basis hat. Über diese Frage sowie zur möglichen Entwicklung von BSW wollen wir in dieser Veranstaltung diskutieren.


Eine Marxistische Analyse der Gewerkschaften

Gewerkschaften sind, so Marx, Ordnungsfaktor und Gegenmacht zugleich. Diesen Doppelcharakter besitzen sie seit ihrer Entstehung und bestimmen damit über Krieg und Frieden im Betrieb. Statt als Kampforganisation der Arbeiter*innen und Motor in Tarifauseinandersetzungen werden Gewerkschaften und ihre haupt- und ehrenamtlichen Funktionär*innen heute oft eher als vermittelnde und bevormundende Partei im Arbeitskampf wahrgenommen, die über die Köpfe der Belegschaften hinweg mit den Bossen Vereinbarungen treffen. Aber wie kann das eigentlich sein? Hier lohnt ein genauerer Blick auf die oft kritisierte "Gewerkschaftsbürokratie", die in Teilen konfliktorientierte Spielräume öffnet für selbstbewusste und klassenpolitische Gewerkschafter*innen, um sich ihre Gewerkschaft neu anzueignen.


Und ab geht die Post. Über Verteidigungskämpfe im Betrieb und die Rolle von Sozialist:innen

Mit dem Argument „ökonomische Sachzwänge“ treiben Konzernspitzen Arbeiter*innen und Gewerkschaften immer mehr in die Defensive – ob im öffentlichen Bereich durch Kürzungen oder durch Transformationsprozesse und Gewinneinbrüche in der Privatwirtschaft. Die Folge: massiver Personalabbau, Flexibilisierung und Arbeitsverdichtung auf Kosten der Kolleg*innen und der öffentlichen Daseinsvorsorge. Wie können wir als betrieblich Aktive mit „ökonomischen Sachzwängen“ umgehen, ohne uns vom Kapital vor den Karren spannen zu lassen? Mit welchen Strategien können wir „das Beste“ für die und mit den Kolleg*innen rausholen und gleichzeitig die erfahrbaren Widersprüche nutzen, um die Systemfrage zu stellen? Diesen und weiteren Fragen wollen wir uns anhand der betrieblichen und politischen Entwicklungen bei der Deutschen Post nähern und in die Diskussion kommen.


Workshop: Crashkurs Luxemburg: Zum Verhältnis von Partei und Bewegung

Rosa Luxemburg, eine der bedeutendsten Denkerinnen der sozialistischen Bewegung, hat intensiv über die Verbindung zwischen Partei und Klasse nachgedacht. Sie grübelte nicht nur über Klassenkämpfe, sondern machte die Erfahrung aktiv in einen revolutionären Prozess intervenieren zu können. Dabei zerbrach sie sich den Kopf über die Frage von Strategie und Taktik, Bewegung und Partei, Klassenkampf und Revolution.

Im Workshop möchten wir den Fragen nachgehen: Wie gestaltet sich die Rolle der Partei inmitten von Klassenkämpfen? Wozu in einer festen Struktur organisieren? Und welche Grundsätze sind dabei wichtig? Welche historischen Erfahrungen formten dabei die Gedanken von Luxemburg?

Der Workshop richtet sich gleichermaßen an Menschen mit und ohne Vorwissen. Er hat einführenden Charakter.


Zur Gefahr des Faschismus angesichts der Klimakatastrophe

Nicht nur die Temperaturen steigen unaufhaltsam an: Auch der Aufstieg der autoritären Rechten schreitet nahezu ungebremst voran. Gleichzeitig heizen sich die Transformationskonflikte immer weiter auf – der Kapitalismus ist am Limit. Doch mit jedem Landgewinn verfügt die extreme Rechte über neue Möglichkeiten, um den Fossilismus und das damit verbundene kapitalistische, patriarchal-rassistische System vehement zu verteidigen.
Droht eine erneute Machtübernahme der Faschisten? Und in welchem Verhältnis steht die Gefahr eben jener zu einer sich rasant verschärfenden Klimakatastrophe, die die Zukunft unserer Zivilisation grundlegend in Frage stellt?


Von Klimaangst zu Klimaleugnung: Marxismus trifft Psychoanalyse

Die meisten Menschen machen sich Sorgen um die Zukunft des Planeten. Aber politische Weichenstellungen, die Angst nehmen könnten, bleiben aus. So bleiben viele allein gelassen mit einem Gefühl von Ohnmächtigkeit. Umso verständlicher wird, dass viele schließlich die Krise verdrängen, um nicht verrückt zu werden. In diesem Workshop geht es darum gemeinsam zu erschließen, wie Menschen heute die Klimakrise verarbeiten. Dabei sollen marxistische Kapitalismuskritik und psychoanalytische Perspektiven zusammen gebracht werden, um eine kritischen Klimapsychologie zu entwerfen.


„Wir gegen die Elite“ – Linkspopulismus als Teil verbindender Klassenpolitik

Vor dem Hintergrund des Aufstiegs der AfD gewinnt die Frage nach einer verbindenden Erzählung an Relevanz, die den unterschiedlichen Teilen der beherrschten Klassen ein gemeinsames Identifikationsangebot macht - treten sie sich doch allzu häufig gespalten gegenüber. Neogramscianische wie marxistische Theorieansätze beleuchten, wie ein solcher linker Populismus strukturell funktioniert.
In diesem Workshop werden wir zunächst überlegen, was wir davon strategisch lernen können. Vor allem werden wir die beleuchteten Theorien aber mit empirischen Schlaglichtern zum Alltagsbewusstsein verknüpfen, um konkret herauszuarbeiten: Wie sollte ein Linkspopulismus für diese historische Situation aussehen?

 


Vom Weltkrieg zur Novemberrevolution: Die Rolle der revolutionären Obleute in Berlin.

Gewerkschaftliche Organisierung gegen Krieg und Krise: die Revolutionären Obleute 1914-1920

Jeder kennt die Roten Matrosen - weniger bekannt ist, dass in Berlin ganz normale Gewerkschafter die Novemberrevolution vorbereiteten. Mit ersten politischen Streiks begann 1916 der gewerkschaftliche Widerstand gegen den Weltkrieg. Träger der Streiks waren ehrenamtliche Vertrauensleute in den Betrieben, die sich ab 1918 „Revolutionäre Obleute“ nannten. Diese organisierten erfolgreich mehrere Massenstreiks, die schließlich im Sturz des Kaiserreichs mündeten und zum Vorläufer der Rätebewegung wurden. Anhand seiner Biographie zu Richard Müller, einem führenden Protagonist der Revolutionären Obleute, wird der Historiker Ralf Hoffrogge in einem kurzen Referat die Entstehung der Streikbewegungen gegen den ersten Weltkrieg darstellen. Wer waren ihre Träger, wie funktionierten sie, was haben sie uns heute zu sagen? Ralf Hoffrogge, Historiker & Autor des Buches "Richard Müller - der Mann hinter der Novemberrevolution"